Klare Anforderungen an eine Mobilitäts-App

Ergebnisse aus mehreren Bürgerworkshops liegen nun vor. Klimaschutzbeauftragte, Bürgermeister, Vertreterinnen und Vertreter von Landkreis und Verkehrsbetrieben der Region sowie Bürgerinnen und Bürger der zehn Kommunen des Mobilitätsnetzwerks Ortenau waren zu Workshops eingeladen. Sie konnten unter der Koordinierung und Leitung des Fachbüros insertEFFECT aktiv an dem Erarbeiten von Anforderungen an eine Mobilitäts-App teilnehmen und klare Prioritäten setzen.

Eine Mobilitäts-App ermöglicht die Anzeige verschiedener Mobilitätsangebote, um von A nach B zu kommen. Die App kann aktuelle Fahrpläne für die entsprechende Verbindung anzeigen und ermöglichen die Fahrkarten zu kaufen.

Folgende Anforderungen an eine solche regionale Mobilitäts-App wurden von den Teilnehmerinnen und Teilnehmern als  besonders wichtig erachtet: Busse, Bahn, die Kehler Tram und Mitfahrgelegenheiten für Pendler sollen in der App abgebildet sein. Die Themen Bikesharing, Carsharing und Taxi wurden ebenfalls als wichtige Verkehrsmittel genannt, die zukünftig per App buchbar sein sollen. Die Kombination verschiedener Verkehrsmittel für eine Wegestreckein Echtzeitfunktion, Buchung und Bezahlung (möglicherweise auch per Prepaid-Funktion) sind weitere Themenfelder, die als besonders wichtig empfunden werden. Darüber hinaus wurde der Wunsch nach weiteren Merkmalen wie Barrierefreiheit, Fahrradtransport, Parkmöglichkeiten sowie eine Offline-Funktion der App geäußert. Auch Überlegungen zu grenzüberschreitendem Verkehr sollen idealerweise in die App mit einfließen.

Die Experten von insertEFFECT machten allerdings deutlich, dass ein Mehr an Funktionen eine App nicht besser machen. Verschiedene Eigenschaften sind zudem nur unter extrem hohem Kostenaufwand umsetzbar.

Der Ortenaukreis arbeitet aktuell an der Einführung einer Mobilitäts-App und lotet Kooperationen mit Nachbarlandkreisen und Finanzierungsmöglichkeiten aus. Die Ergebnisse aus den drei Beteiligungsworkshops fließen direkt in diese Aktivitäten ein.

Kommunen engagieren sich als Modellregion im Kompetenznetz Klima Mobil

Die Jury des Kompetenznetz Klima Mobil hat 15 Modellkommunen ausgewählt – darunter die Stadt Kehl, die mit sechs weiteren Kommunen aus dem Mobilitätsnetzwerk eine „Modellregion“ bildet, und hochwirksame Klimaschutzmaßnahmen im Verkehr umsetzen wird. Dazu zählt zum Beispiel das Umgestalten von Verkehrsfläche zugunsten des Fuß- und Radverkehrs. Durch die Auswahl als Modellkommune im Kompetenznetz Klima Mobil erfolgt eine intensive Unterstützung durch Expertinnen und Experten bei der Planung und Kommunikation, sowie bei der Akquise von Fördermitteln für das eingereichte Projekt, der Planung für Mobilitätsstationen. Wir berichteten bereits über die Aufnahme als Modellregion.

Zum Hintergrund: Das Kompetenznetz wurde vom baden-württembergischen Verkehrsministerium ins Leben gerufen, um Kommunen, die sich für den Klimaschutz im Verkehr einsetzen möchten, zu unterstützen und zu vernetzen.

Mehr Infos dazu finden Sie hier: https://www.klimaschutz-bewegt.de/

Am 04. September lud Verkehrsminister Hermann die ausgewählten Modellkommunen nach Stuttgart ein, um ihre konkreten Ideen und Maßnahmen für mehr Klimaschutz im Verkehr vorzustellen. Bürgermeister Wuttke aus Kehl vertrat die „Modellregion Mobilitätsnetzwerk Ortenau“.

Kompetenznetz KLIMA MOBIL, Vernetzungsgespräch der Modellkommunen am 04.09.2020, 14:00 – 16:00 Uhr im Hospitalhof Stuttgart mit Winfried Hermann, MdL, Minister für Verkehr Baden-Württemberg ©NVBW

Knapp einen Monat später wurde das gesamte Kompetenznetz zu einer digitalen Auftaktveranstaltung eingeladen, in der sich sowohl die Projektberater und Projektberaterinnen als auch ausgewählte Kommunen ihre Klimaschutzmaßnahmen im Verkehr exemplarisch vorstellten. Die Stadt Schorndorf bei Stuttgart etwa, plant die Errichtung autofreier Zonen in der Innenstadt. Dadurch erhofft sich die Stadt CO2-Emissionen zu senken und gleichzeitig die Aufenthalts- und Lebensqualität für ihre Bürgerinnen und Bürger zu steigern.

Wie geht es in unserer Modellregion weiter?

Im November lernt die Modellregion das zugewiesene Planungsbüro kennen und die Arbeit an den konkreten Maßnahmen kann gestartet werden!

 

Kehl ist Modellregion für „Klima Mobil“ – Land unterstützt neue Wege im Klimaschutz im Verkehr

Aus 41 Bewerbungen aus ganz Baden-Württemberg hat eine Jury 15 Modellkommunen ausgewählt, die hochwirksame Maßnahmen zum Klimaschutz im Verkehr umsetzen. Kehl hatte sich gemeinsam mit Gengenbach, Lahr, Offenburg, Rheinau, Schutterwald und Willstätt als Modellregion beworben und gehört nun zu den Kommunen, die im Kompetenznetz „Klima Mobil“ vom Land unterstützt werden. Im Fokus der Vorhaben stehen Maßnahmen aus drei zentralen Handlungsfeldern: die Bevorrechtigung umweltfreundlicher Verkehre – wie zum Beispiel jüngst mit der Fahrradstraße in der Friedhofsstraße umgesetzt –, das Parkraummanagement und die Verkehrsberuhigung oder Straßenraumgestaltung.

Die Ziele des Projekts gehen deutlich über die Schaffung von bloßen Anreizen zur Nutzung klimafreundlicher Fortbewegungsmittel hinaus. Gefragt sind richtungsweisende Verkehrsprojekte, die darauf ausgerichtet sind, die Zusammensetzung des Verkehrs und das Mobilitätsverhalten der Bürgerinnen und Bürger aktiv zu verändern. So wird die Planung von Radwegen nur dann unterstützt, wenn diese den Raum für den motorisierten Individualverkehr einschränken; eine neue Mobilitätsstation wird nur gefördert, wenn sie auf bestehenden Parkplätzen errichtet wird. Das Kompetenznetz „Klima Mobil“ hilft den Modellkommunen bei der Planung und Kommunikation vor Ort sowie bei der Akquise von Fördermitteln, die das Land bereitstellt. Kehl hat sich stellvertretend auch für Gengenbach, Lahr, Offenburg, Rheinau, Schutterwald und Willstätt um die Aufnahme in das Kompetenznetz beworben, weil eine Kandidatur des Mobilitätsnetzwerks Ortenau aus formalen Gründen nicht möglich war.

Als konkretes Projekt kommt die ortsspezifische Planung von Mobilitätsstationen in Frage, besonders wenn dafür öffentliche Stellplätze wegfallen. Das Mobilitätsnetzwerk Ortenau lässt derzeit ein grundlegendes Konzept zu Mobilitätsstationen erstellen und bereitet die Voraussetzungen für die planerische, bauliche und betriebliche Umsetzung vor. In Kehl sollen solche Mobilitätsstationen an zentralen Punkten wie im Rathausumfeld, in dicht besiedelten Bereichen, zum Beispiel im Baugebiet Schneeflären, aber auch in den Ortschaften eingerichtet werden. Dort lässt sich dann beispielsweise die Nutzung von Carsharing-Fahrzeugen, das Laden von E-Bikes und E-Autos mit dem Umstieg in den ÖPNV verbinden.

Um sich am Kompetenznetz „Klima Mobil“ beteiligen zu können, hat sich die Stadt zu den Klimazielen des Landes bekannt. Dazu gehören die Senkung der Treibhausgasemissionen im Verkehr um 40 Prozent (im Vergleich zu 1990), klimaneutrale Mobilität bis 2050, doppelt so viele Angebote im ÖPNV, ein Drittel weniger Kraftfahrzeugverkehr in der Stadt, 50 Prozent der Wege werden mit dem Rad oder zu Fuß zurückgelegt, der Güterverkehr wird zu einem Drittel klimaneutral. Solche Vorgaben hat die Stadt Kehl im 2013 vom Gemeinderat beschlossenen Klimaschutzkonzept und im 2018 verabschiedeten Mobilitätskonzept ebenfalls bereits festgeschrieben.

Mobilitätsnetzwerk Ortenau arbeitet an neuen regionalen Verkehrsangeboten

Das erste digitale Netzwerktreffen markiert den Beginn einer neuen Phase der Zusammenarbeit

Im Mobilitätsnetzwerk Ortenau haben sich 10 Kommunen zusammengeschlossen. In einer vorerst auf drei Jahre angelegten Kooperation entwickeln sie gemeinsam Maßnahmen für eine bürgerfreundliche und nachhaltige Mobilität. Im Zentrum stehen die Themen Radverkehr, Mobilitätsstationen und eine regionale Verkehrs-App. Ende März begann offiziell das zweite Jahr der Zusammenarbeit mit einem Netzwerktreffen. Bürgermeister und Netzwerkbeauftragte diskutierten den Übergang von der Konzept- in die Realisierungsphase. Etwas ungewohnt für alle: Das Treffen fand corona-bedingt online statt.

Von den eingeschränkten Kontaktmöglichkeiten ließen sich die Mobilitätsnetzwerker nicht beirren. Bürgermeister Erik Weide aus Friesenheim, einer der Geschäftsführer, begrüßte die Teilnehmer. Das Netzwerk habe im ersten Jahr alle wichtigen Grundlagen für gute Lösungen geschaffen. „Manchen mag die Konzeptphase sehr lang erschienen sein, erklärte Weide, „aber wir haben in den letzten Monaten gemeinsam Neuland betreten. Diese besondere Situation brachte viele Herausforderungen mit sich. Und wir haben sie gelöst.“

Rückblick: Lehren aus dem ersten Netzwerkjahr

Das Mobilitätsnetzwerk Ortenau ist das erste seiner Art. Dementsprechend mussten die Kommunen alle organisatorischen Grundlagen der Zusammenarbeit völlig neu entwickeln. Welche Ziele wollen wir erreichen? Wie gestalten wir die rechtliche Form der Zusammenarbeit? Wie stellen wir sicher, dass große und kleinere Kommunen nach ihren Möglichkeiten und Bedürfnissen eingebunden sind?

Kaum waren diese internen Fragen geklärt, begann die Kommunikation nach außen: Ohne Verkehrsbetriebe, Wirtschaft und Landkreis lassen sich vielleicht sinnvolle Ziele formulieren, aber umsetzen lassen sie sich nicht. Auch hier bestand also Organisations- und Koordinationsaufwand.

Wo steht die Arbeit an den drei Themenschwerpunkten?

Zum Thema Mobilitätsstationen (Stationen mit Bike- und Carsharingangeboten und Anschluss an den öffentlichen Nahverkehr) hat das Netzwerkteam gemeinsam mit einem Fachbüro die vorhandenen Potenziale ermittelt, die Ausstattungsmerkmal festgelegt und mögliche Standorte ermittelt. Im nächsten Schritt sollen die Standorte zusammen mit den einzelnen Kommunen genau festgelegt werden.

Für einen Ausbau der gemeindeübergreifenden Radwege befragte das Netzwerk etwa 4000 Mitarbeiter von Unternehmen und kommunalen Verwaltungen. Ihre Wünsche und Anforderungen werden nun gesammelt und ausgewertet.

Das Thema Mobilitäts-App hat sich als besonders komplex erwiesen. Nach einem internen Wissensaufbau arbeitet das Netzwerk zusammen mit Politik, Verkehrswesen und Bürgerschaft an einem Anforderungsprofil. Das alles geschieht in enger Zusammenarbeit mit den Vertretern des Ortenaukreises, die ebenfalls konkrete Schritte in Richtung Mobilitäts-App begonnen haben.

Ausblick auf die nächsten Jahre

Die Bürgermeister und Netzwerkbeauftragten sind sich einig: Das bisher Erreichte darf nicht in der Planungsphase stecken bleiben. In den nächsten Monaten will man die Weichen für die Realisierung stellen. Ein Meinungsbild über den richtigen Weg dorthin entstand direkt während des Meetings in einer online-Umfrage.